Im Hintergrund eine Fundkarte von Albert Steeger    

Herzlich willkommen auf den WorldWideWeb-Seiten der Archäologie in Krefeld . . . . . . . . . . Hier vermitteln wir Spannendes und Wissenswertes über Archäologie im Internet . . . . . . . . . . Jetzt neu auf unseren Seiten das virtuelle Museum Burg Linn . . . . . . . . . . Und Neuigkeiten von archäologischen Ausgrabungen des Museums Burg Linn im Stadtgebiet von Krefeld . . . . . . . . . . Wußten Sie schon, dass es in Krefeld-Elfrath einen rekonstruierten römischen Tempel gibt ? ? ? ? ?. . . . . . . . . . Oder dass es in Krefeld-Gellep das größte zusammenhängende und modern ausgegrabene römisch-fränkische Gräberfeld nördlich der Alpen gibt ?. . . . . . . . . . Wenn nicht, dann schauen Sie sich unsere Webseiten der Bodendenkmalpflege an.


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Rekonstruierter mesolithischer Pfeil.  An der Pfeilspitze mit Birkenpesch eingeklebte Mikrolithen

Rekonstruktion eines mesolithischen Pfeiles mit eingesetzten Mikrolithen, die mit Birkenpech verklebt sind.

Birkenpech wird auch als Klebstoff der Vorgeschichte bezeichnet. Seine vorgeschichtliche Gewinnung ist bisher nicht eindeutig geklärt. Nachweislich wird er seit 70.000 - 80.000 Jahren auf einem mittelpaläolithischen Lagerplatz verwendet. Stücke von Birkenrinde, müssen in einem kontrollierten Verschwelungsprozess unter Luftabschluss ablaufen und unter Temperaturen von 340 bis 400 Grad Celsius erhitzt werden. Es entsteht dann eine schwarze teerige Masse, die für das Verkleben von Artefakte eine vielfältige Anwendung fand.

Der Verf. bedankt sich  bei Frau Marlene Tacke,  der Museumspädagogin des Mainfränkischen Museums Festung Marienberg in  Würzburg, für das zur Verfügung gestellte Foto des Pfeiles.

Einleitung

eit mehreren Jahren ist Verf. als freier Mitarbeiter des Museumszentrums Burg Linn mit der Aufgabe befasst, Begehungen im Stadtgebiet durchzuführen, um vor- und frühgeschichtliche Fundstellen für die archäologische Forschung zugänglich zu machen. Im Herbst 1979 konzentrierten sich die Begehungen auf den nördlichen Teil des Stadtgebietes. Östlich des Hülser Berges konnten einige Feuersteinabschläge aufgesammelt werden. Daraufhin wurde die Begehung dieser Stelle systematisiert und auf ein größeres Areal ausgeweitet. Es konnte festgestellt werden, dass in verschiedenen Abständen weitere Artefaktkonzentrationen vorhanden sind. Das Fundmaterial dieser Stellen war untereinander recht ähnlich; es handelt sich zunächst um Abschläge, Kernsteine und einige Kratzer. Die Funde glichen sich auch in der Farbe der Patina (rotbraun). Weil aber im Fundmaterial typische Geräte fehlten, war eine Zuweisung der Funde in eine bestimmte Epoche zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, obwohl die geringe Größe der meisten Artefakte an ein mesolithisches Alter denken ließ. Als im Frühjahr des darauf folgenden Jahres die ersten Mikrolithen gefunden wurden, bestätigte sich diese Vermutung. ( Im Museum Burg Linn befindet sich eine Anzahl Flintartefakte mesolithischer Prägung die vom Berg selber stammen. Eindeutig kennzeichnende Werkzeuge befinden sich aber nicht unter ihnen. Die Funde werden deshalb hier nicht weiter berücksichtigt.)

Mesosolithische Geräte zeichnen sich durch ihre Kleinheit aus. Die Mehrzahl hat eine Größe von 2-3 cm.

Als Mesolithikum (Mittelsteinzeit), wird der Zeitabschnitt vom Ende der Letzten Eiszeit (ca. 8500 v. Chr.) bis zum Beginn des Neolithikum (Jungsteinzeit) ca. 5500 v. Chr. bezeichnet.

Im Mesolithikum lebte der Mensch in aneignender Wirtschaftsweise (Jäger-Sammlertum), wie auch schon im vorangegangenen Paläolithikum (Altsteinzeit).

Diese Wirtschaftsweise änderte sich erst mit dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht im Neolithikum (5500 v. Chr.)
 

Rohstoffe

n der Regel sind Steinartefakte die einzigen Hinterlassenschaften aus diesen Zeiten, da sich organisches Materialien nur in den seltensten Fällen erhalten haben. Dem Menschen des Mesolithikums standen zur Herstellung der Steingeräte in der näheren Umgebung vor allem zwei Feuersteinvorkommen zur Verfügung, die unter der Bezeichnung Maas-Feuerstein und Maaseier-Feuerstein bekannt sind. 

Nordöstlich und nördlich von Krefeld sind Vorkommen von Baltischen-Feuerstein, besonders in den Stauchmoränen der vorletzten Eiszeit vorhanden. Baltischen-Feuerstein scheint aber im Fundmaterial keine Rolle zu spielen. Hauptsächlich liegt Maas-Feuerstein vor (ca. 2/3), der Rest ist aus Maaseier-Feuerstein gefertigt, sonstige Flintarten kommen äußerst selten vor. Der Hohe Anteil von Maas-Feuerstein ist bemerkenswert, da er in unmittelbarer Umgebung nur selten auftritt, während Maaseier-Feuerstein, der nur knapp 1/3 des Fundmaterials ausmacht, in der näheren Umgebung in größeren Mengen zu finden ist.
 

Zur Technik der Feuersteinbearbeitung

er Feuerstein (Flint, Silex) besteht aus Chalzedon bzw. Opalkonkretionen und zeichnet sich durch hohe Härte und Homogenität aus, woraus eine gute Spaltbarkeit resultiert. Diese Eigenschaften hat der Mensch früh erkannt und Silex für die Herstellung von Steinwerkzeugen von Anfang an bevorzugt. Nachfolgend seien einige Begriffe aufgeführt, die in der archäologischen Forschung zur Ansprache von Steinartefakten gebräuchlich sind.

Abschlag: Wird auf eine bestimmte Stelle eines Feuersteins durch Schlag oder Druck eine genügend große Kraft ausgeübt, so löst sich nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten ein Stück dieses Feuersteins ab. Das abgespaltene Stück bezeichnet man als Abschlag. Es ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: Schlagflächenrest, Schlagbuckel (Bulbus), Schlagwellen, Schlagnarben, Schlagpunkt (vgl. Taf. 3, Abb. 8). Man unterscheidet beim Abschlag zwei Seiten: a. Ventralseite, die flachere Seite des Abschlages, auf der sich die ebengenannten Merkmale vorfinden. b. Dorsalseite, die gewölbtere Seite, auf der sich Abschlagnegative bzw. deren Randgrate befinden.

Kernstein: (Nucleus): Ein Feuerstein, von dem gezielte und mehr oder minder regelmäßige Abschläge gewonnen wurden.

Erkennbar ist ein solcher Kernstein an den Negativen der von ihm gewonnenen Abschläge (vgl. Taf. 3, Abb. 6)

Klinge: Bezeichnung für einen Abschlag, der erheblich länger als breiter ist.

Retusche: Eine gebräuchliche Technik zur weiteren Formgebung von Steinartefakten.

Kratzer: Ein retuschiertes Werkzeug mit meist bogenförmiger Arbeitsseite. Der Verwendungszweck ist im einzelnen nicht bekannt.

Stichel: Ein Werkzeug zur Bearbeitung von Knochen und Geweih.


Das Fundmaterial

is heute konnten aus dem Gebiet des Hülser Berges eine größere Anzahl von Mikrolithen, Kratzern, Kernsteinen und klingenförmigen Abschlägen, dazu einige wenige Stichel, Bohrer, zwei sogenannte "Großgeräte" und ein Retuscheur aufgesammelt werden. Da die Vorlage des gesamten Materials den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen würde, ist auf den Tafeln 1-3 stellvertretend ein Querschnitt durch das Geräteinventar einer Fundkonzentration vorgestellt worden. 

Die meisten Steingeräte, besonders die kleinen unter ihnen, wurden wohl zum Gebrauch mit einer Schäftung aus organischen Materialien, z.B. Holz, Knochen, Horn, Geweih versehen. Unter günstigen Erhaltungsbedingungen, wie sie in den Seerandsiedlungen des Voralpengebietes und in den Mooren Norddeutschlands vorhanden sind, wurden solche Schäftungen gefunden (vgl. Taf. 3, Abb. 7) und Rekonstruktion aus dem Rhein Mainmuseum in Würzburg. Siehe oben.

 

Datierung

nter der Voraussetzung, dass das Fundmaterial als geschlossen angesehen werden kann, ist eine Datierung nach den Kriterien von ARORA in das ältere Mesolithikum möglich. Nach dem jetzigen Stand der Forschung stammen die meisten Werkzeuge aus dem älteren Mesolithikum um ca. 8 500 v. Chr.

Ungewöhnlich ist das Vorhandensein von "Großgeräten" (vgl. Taf. 3, Abb. 1-3 und Abb. 5) im Fundmaterial, den solche Gegenstände sind bisher von Fundplätzen des Rheinlandes nicht bekannt. Häufig kommen sie dagegen in Norddeutschland und Dänemark vor.

Die sorgfältiger gearbeitete Pfeilspitze (Taf. 2, Abb. 6) stammt aus der Jungsteinzeit Neolithikum; sie ist also nicht zum übrigen Inventar zu rechnen.

 

Abschließende Bemerkungen

ie erhebliche Menge der Funde deutet darauf hin, dass sich die Menschen an diesen Plätzen längere Zeit oder häufiger aufgehalten haben. Dafür spricht auch, dass ein kleiner Teil der Artefakte krakeliert ist. Besonders ein Fundplatz fällt durch sehr viel kleinste Abschläge und Absplisse auf. An diesem Platz wurde mit Sicherheit Feuerstein geschlagen, um Geräte herzustellen.

Auf einer nahe gelegenen Fundkonzentration wurde auch ein Retuscheur gefunden (Taf. 3. Abb. 4), der einen Hinweis auf diese Tätigkeit gibt.

Von den neun bisher unterscheidbaren Fundkonzentrationen liegen sechs entlang einer Rinne, die üblichen drei näher am Berg. hieraus ergibt sich die Frage, ob die Rinne, die nordwärtiges Gefälle hat, schon im Mesolithikum bestand und möglicher weise wasserführend war. Zur Klärung dieser Frage und um zu erkunden, ob in der Rinne Schichten vorhanden sind, in denen sich Funde aus organischen Materialien (Knochen, Holz, Leder etc.) hätten erhalten können, wurde eine Handbohrung durchgeführt .

(Für Hilfe bei der Durchführung und Auswertung dieser Bohrung ist der Verf. Herr Dr. H. W. QUIZOW, Krefeld, zu Dank verpflichtet.)

Sie ergab, dass die Rinne an ihrer tiefsten Stelle (Rinnensohle) ca. 2,5 m junge (holozäne) Sedimente enthält. Im einzelnen wurden erbohrt:

Tiefe in [m] bis

Erbohrte Schichten

- 0,4

sandiger Lehm, bräunlichgrau

- 0,5

sandiger Lehm, graubräunlich

- 1,0

lehmstreifiger Mittel - bis Feinsand, hellbräunlich

- 1,4

Mittel- bis Feinsand, hellgraubräunlich

- 2,4

Mittelsand, hellgelblichgrau

darunter gröberer Sand und Kies der Niederterrasse des Rheins. Die Rinne, deren Oberfläche heute etwa 1 m tiefer als das umgebende Gelände liegt, war vor ihrer Auffüllung also etwa 3,5 m tief. Schichten, in denen sich organische Materialien hätten erhalten können, sind in ihr nicht vorhanden.

Eine weitere Bohrung wurde quer zur Rinnenachse 10 m von der ersten Bohrung entfernt durchgeführt. An dieser Stelle finden sich an der Oberfläche Feuersteinabschläge. Das Profil zeigt hier nur eine 1 m mächtige Lehmschicht auf dem Kies der Niederterrasse. Die Rinne hatte also ziemlich flache Hänge und scheint relativ breit gewesen zu sein. Sie gehört zu den kleinen Bachrinnen, welche nach Beendigung der letzten Eiszeit gebildet wurden und dürfte im Mesolithikum eine größere Bedeutung in dieser Landschaft gehabt haben als heute.

 

Rekonstruktion des Wohnplatzes

ie  Wohnplätze der Mesolithiker waren meistens sehr klein und bestanden aus einfachen Hütten. Eine Hütte war am Boden mit Birkenrinde ausgelegt.

Ein typischer Wohnplatz ist auf (Abb. 1) zu sehen. Mehrere Fundplätze am Hülser Berg liegen an einer Rinne die vermutlich wasserführend war.

Vom  Einbaum aus wurden hier Fische gefangen. Die Verteilung der Artefakte spricht eher für eine kleinere Gruppe von Menschen die hier zeitweise lebten. Insofern ist die bildliche Rekonstruktion des Fundplatzes realistisch.

Nach heutigem Erkenntnisstand stellten die Mesolithiker die ersten Einbäume der Geschichte her. Zum Aushöhlen der Boote verwendeten sie einfache ungeschliffene Steinbeile. Im Fundinventar gibt es zwei Typen von Beilklingen. Kern- und Scheibenbeilklingen.  Die Schäftung der Beilklingen ist zur Zeit noch nicht geklärt.
Man kann aber davon ausgehen, dass sogenannte Kniehölzer verwendet wurden.

 

(Abb. 1) Modell aus dem Museum für Ur- u. Frühgeschichte Thüringens in Weimar
 

 

AUS FLINT VON DER MAAS
Erste mittelsteinzeitliche Großgeräte im Rheinland von Surendra K. Arora

Bemerkung:

Mittlerweile wurden auf anderen Plätzen im Rheinlands weitere mesolithische Großgeräte gefunden.

(Auch vom Hülser Berg wurde kürzlich ein weiteres Exemplar eines Kernbeils entdeckt).

Das Verbreitungsgebiet mesolithischer Großgeräte erstreckt sich somit weiter nach Süden als bisher angenommen.


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