Im Hintergrund eine Fundkarte von Albert Steeger    

Herzlich willkommen auf den WorldWideWeb-Seiten der Archäologie in Krefeld . . . . . . . . . . Hier vermitteln wir Spannendes und Wissenswertes über Archäologie im Internet . . . . . . . . . . Jetzt neu auf unseren Seiten das virtuelle Museum Burg Linn . . . . . . . . . . Und Neuigkeiten von archäologischen Ausgrabungen des Museums Burg Linn im Stadtgebiet von Krefeld . . . . . . . . . . Wußten Sie schon, dass es in Krefeld-Elfrath einen rekonstruierten römischen Tempel gibt ? ? ? ? ?. . . . . . . . . . Oder dass es in Krefeld-Gellep das größte zusammenhängende und modern ausgegrabene römisch-fränkische Gräberfeld nördlich der Alpen gibt ?. . . . . . . . . . Wenn nicht, dann schauen Sie sich unsere Webseiten der Bodendenkmalpflege an.


Logo von Detlef Stender. Das Symbol zeigt das Stadttor und die Mauer von Gelduba und darüber einen Würfel. Im Hintergrund fließt der Rhein.
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Archäologie in Krefeld

 

Fundort: Ein Brandgräberfeld in Tönisvorst- Vorst

Thema: Romanisierung von Germanen.

as der Verfasser von Archäologie in Krefeld 1984 in Tönisvorst-Vorst entdeckte und dem Museum Burg Linn und der Außenstelle Xanten meldete, ist heute eine kleine archäologische Sensation und im Bonner Landesmuseum in der Ausstellung "Krieg und Frieden" zu besichtigen.

In den Jahren 58-52 v. Chr. eroberten römische Truppen unter Caius Julius Caesar Gallien. Dies ist allgemein bekannt. Das antike Gallien entsprach ungefähr dem heutigen Frankreich, reichte aber im Osten bis an den Rhein. 55 v. Chr. standen erstmals römische Truppen auch im Rheinland. Hier trafen "Kelten", "Römer" und "Germanen" unmittelbar aufeinander; alles, was sich in den folgenden Jahrzehnten bis in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. ereignete, reichte vom offenen Krieg bis zum friedlichen Zusammenleben.

Zwischen 1984 und 1986 wurden in Tönisvorst-Vorst, Kreis Viersen, knapp westlich der niederrheinischen Wasserscheide zwischen Rhein und Maas, Teile eines ausgedehnten Brandgräberfeldes aufgedeckt. Seither konnten 213 der etwa 500 Gräber ausgegraben werden. Damit handelt es sich um das bislang größte römerzeitliche Gräberfeld außerhalb der militärischen und zentralen Orte am Niederrhein.

Im Vergleich mit Grabungsfunden aus Xanten, Asberg, Neuss und Köln fehlen typisch römische Erzeugnisse, wie z. B. Lampen, Münzen, Spiel- und Schreibzeug., Spiegel oder Perlen nahezu vollständig.

Auch finden sich weder Öltrichter noch Amphoren, die auf römische Speisesitten hinweisen würden. Dagegen ist die früheste Phase des Gräberfeldes, das in spättiberischer Zeit (um 30/35 n. Chr.) einsetzt, durch Urnengräber mit stark germanisch geprägten Grabinventaren gekennzeichnet. Die Metallobjekte, wie Gewandnadeln (Fibeln), Bronzegeschirr, Trinkhornbeschläge, eiserne Waffen und Geräte lassen vermuten, dass es sich bei der ersten Generation höchstwahrscheinlich um Siedler aus dem elbgermanischen Raum handelte. Umso bemerkenswerter ist, dass die zugehörige Keramik ausschließlich römischen Ursprungs und sich stark an Gefäßtypen nordgallischer Fundorte anlehnt.

In den späteren Phasen des Gräberfeldes wurden die germanischen Objekte von gallorömischen Produkten überlagert , bis ab circa 180 n. Chr. - nach einem starken Anwachsen der Bevölkerung im 2. Jahrhundert - nur noch sporadisch innerhalb des Friedhofareals bestattet wurde.

Nach den historischen Quellen waren es möglicherweise Angehörige des Volkes der Baetasier, vielleicht auch der Ubier, die hier ihre Verstorbenen bestatteten.

Grab 18 oben, Grab 38 unten

Grab 73 oben, Grab 111 unten

Grab 102 oben, Grab 166 unten


Grab 18
Romanisierende Germanen
Tönisvorst, Kreis Viersen
30/35-60 n. Chr.

Zur frühesten Belegungsphase von Tönisvorst gehört die Bestattung einer 30-40jährigen Frau, deren reichhaltiges Grabinventar Formengut elbgermanischer Prägung aufweist. Einzig als Urne diente eine Terra-Niegra-Schüssel belgischer Ware. Neben drei Bronzefibeln sind eine silberne, elbgermanische Haarnadel und die Beigabe von bronzenen Gefäßen, hier in Form einer Kanne mit kleeblattförmigem  Ausguss und einer durch den erhaltenen Bronzegriff nachgewiesenen Griffschale, von Bedeutung. Sie gelten wie die zwei zur Ausstattung gehörenden Glasgefäße gelber und türkiser Farbgebung - aufgrund starker Hitze nur noch als geschmolzene Glasmasse überliefert - als ausgesprochenes Privileg und weisen die Tote als ranghohes Mitglied der in Tönisvorst bestatteten Gemeinschaft aus.

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Urne, Terra Nigra-Schüssel (belgische Ware)

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch

Drei Bronzefibeln

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch

Silberne Haarnadel

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch

Kanne, Ausguß kleeblattförmig

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch

Glasreste

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch


Grab 38
Romanisierende Germanen
Tönisvorst, Kreis Viersen
30/35-60 n. Chr.

Ein 40-60 Jahre alter Mann, der zur Gründungsgeneration der in Tönisvorst bestatteten Gemeinschaft gehörte, erhielt eine umfangreiche Grabausstattung, die diverse Metallgegenstände germanischer Formgebung barg. Neben zwei Fibeln und einem Nadelrest verdienen die Bronzefragmente von drei Gefäßen besondere Erwähnung. Trotz des desolaten Zustandes sind die dem Scheiterhaufen ausgesetzten Geschirrteile als Kasserolle und Kelle-Sieb-Paar ansprechbar. Aus dem persönlichen Besitz des Toten stammen ferner eine eiserne Schere sowie ein Messer mit profiliertem Griffende, dessen Form eher im elbgermanischen Raum Verbreitung fand. Insgesamt lassen die exquisiten Beigaben, insbesondere die Metallgefäße, auf einen Angehörigen der sozialen Oberschicht schließen.

Rheinisches Landesmuseum Bonn

2 Fiebeln und Nadelrest

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch

Kasserolle

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch

Sieb

30/35-60 n. Chr. elbgermanisch


Grab 73
Romanisierende Germanen
Tönisvorst, Kreis Viersen
60-75 n. Chr.

In einem fortgeschrittenen Belegungsabschnitt des Gräberfeldes von Tönisvorst barg die Urne aus Grab 73 neben dem Leichenbrand eines erwachsenen Individuums drei als Gewandverschlüsse dienende Bronzefibel germanischer Prägung und eine eiserne Schere. Augenscheinlich war letztere funktionsuntüchtig, da beide Schneiden in eine Richtung weisen. Eine große Platte, die in Nachahmung römischer Sigillatagefäße aus Terra Rubra-Ware gefertigt wurde, diente als Abdeckung der Urne. Sie besitzt eine dreifache Radialstempelung VD.VRV und dürfte zwischen 30 und 50 n. Chr. hergestellt worden sein, gelangte aber erst um 70 n. Chr. in den Boden.

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Bronzefibeln, germanischer Prägung

60-75 n. Chr.

Schere

60-75 n. Chr.

Große PLatte. Römisches Sigillatagefäß aus Terra-Rubra-Ware

60-75 n. Chr.

Urne

60-75 n. Chr.

 


Grab 111
Romanisierende Germanen
Tönisvorst, Kreis Viersen
65/70-90/95 n. Chr.

In der dritten Belegungsphase von Tönisvorst wurde in Grab 111 ein 40-60 Jahre alter Mann bestattet, für dessen Urne ein rauwandiges Gefäß Verwendung fand, das auch in Siedlungen der Region häufig angetroffen wird. Die reliefverzierte Schüssel aus Terra Sigillata weist hingegen auf südgallische Herkunft und auf einen gewissen Wohlstand des Verstorbenen hin. Betont wird ferner durch die zur Ausstattung gehörenden Bronzefragmente eines Beckens (?) und ein vasenförmiges Bruchstück, das als Endbeschlag eines hölzernen Trinkhornes gedeutet werden kann. Diese im Rheinland äußerst seltene Grabbeigabe weist eher in den Elbgermanischen Raum und lässt in Verbindung mit dem restlichen Beigabenspektrum auf den Angehörigen der sozialen Oberschicht schließen.

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Rauhwandige Schüssel

65/70-90/95 n. Chr.

Reliefverzierte Schüssel aus Terra Sigillata

65/70-90/95 n. Chr.

Oben, Bronzefragment eines Beckens (?). Rechts unten Bruchstück vielleicht Endbeschlag eines hölzernen Trinkhorns

65/70-90/95 n. Chr.

Messer

65/70-90/95 n. Chr.


Grab 102
Romanisierende Germanen
Tönisvorst, Kreis Viersen
90/95-120 n. Chr.

Zu Grab 102 aus Tönisvorst zählt neben einer bronzenen Gewandspange, Glasschmelze und einzelnen Scherben ein Keramikensemble, das in seiner Zusammensetzung bedeutsam ist. Außer einem rauwandigen Topf und einer Schüssel belgischer Ware, die als Urne diente, lassen sich über den glattwandigen Becher mit rötlichbrauner Engobe und einer reliefverzierten Schüssel aus roter Terra Sigillata weitreichende Fernhandelsbeziehungen des niederrheinischen Hinterlandes belegen. Die aus Südgallischen Werkstätten stammende Schüssel besitzt noch Reste eines zentralen Stempels LIS. der den Töpfer als Vitalis ii von La Graufensenque angibt. Auffälliges Dekor und spezielle Machart des Bechers verweisen auf ein Herstellungszentrum in der römischen Provinz Baetica im Süden Spaniens.

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Urne, belgische Ware

90/95-120 n. Chr.

Rauwandiger Topf

90/95-120 n. Chr.

Relieffverzierte Schüssel aus roter Terra Sigillata

90/95-120 n. Chr.

Bronzene Gewandspange

90/95-120 n. Chr.


Grab 166
Romanisierende Germanen
Tönisvorst, Kreis Viersen
90/95-120 n. Chr.

Das Beigabenspektrum des nach einer Leichenbrandanalyse auf 30 bis 40 Jahre alt geschätzten Mannes aus Grab 166 bestand aus Gefäßfragmenten eines glattwandigen Bechers, einer Terra Sigillata-Schüssel südgallischer Herkunft sowie einem Messer und einer Schere aus Eisen, die aus dem persönlichen Besitz des Toten stammen. Das Messer besitzt eine Endöse und einen durch zwei Eisenniete gehaltenen, zweilagigen Beingriff, dessen Verzierung mit kleinen Rauten und doppelten Kreisaugen eine äußerst qualitätvolle Bearbeitung bezeugt. Als Urne diente ein Terra-Nigra-Gefäß (Belgische Ware).

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Terra Sigillata-Schüssel

90/95-120 n. Chr.

Eisenmesser mit zweilagigen Beingriff

90/95-120 n. Chr.

Schere aus Eisen

90/95-120 n. Chr.

Terra Nigra-Gefäß (Belgische Ware)

90/95-120 n. Chr.


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