Im Hintergrund eine Fundkarte von Albert Steeger    

Herzlich willkommen auf den WorldWideWeb-Seiten der Archäologie in Krefeld . . . . . . . . . . Hier vermitteln wir Spannendes und Wissenswertes über Archäologie im Internet . . . . . . . . . . Jetzt neu auf unseren Seiten das virtuelle Museum Burg Linn . . . . . . . . . . Und Neuigkeiten von archäologischen Ausgrabungen des Museums Burg Linn im Stadtgebiet von Krefeld . . . . . . . . . . Wußten Sie schon, dass es in Krefeld-Elfrath einen rekonstruierten römischen Tempel gibt ? ? ? ? ?. . . . . . . . . . Oder dass es in Krefeld-Gellep das größte zusammenhängende und modern ausgegrabene römisch-fränkische Gräberfeld nördlich der Alpen gibt ?. . . . . . . . . . Wenn nicht, dann schauen Sie sich unsere Webseiten der Bodendenkmalpflege an.


Logo von Detlef Stender. Das Symbol zeigt das Stadttor und die Mauer von Gelduba und darüber einen Würfel. Im Hintergrund fließt der Rhein.
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Das Oberländer Schiff

Gellep Schiff II

 

 
 


Schifffahrtsgeschichte

Frühes Mittelalter (400 - 1066 n. Chr.)

von Detlev Ellmers


Das Oberländer-Schiff

in besonderes interessantes und auf (Abb. 5) als Modell nachgebildeter Bootstyp ist das Oberländer-Schiff, das in  den Jahren 1973 in Gellep gefundenen wurde. Folgen wir weiter dem Spezialisten Detlef Ellmers, was er uns über diesen Bootstyp zu berichten hat:

Das Oberländer-Schiff war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit das wichtigste Frachtschiff des Mittelrheins. Seine bislang älteste, genau ansprechbare Vorform wurde in Schleswig-Holstein gefunden und in der Zeit der Großsteingräber datiert, d. h. in ein fortgeschrittenes Stadium der Jungsteinzeit. Es handelt sich um einen stammrunden Einbaum in Form einer 3,90 m langen Rinne von ca. 0,80 m Durchmesser. Beide Enden waren quer abgeschnitten und ebenso ausgehöhlt wie der übrige Einbaum. Sie wurden durch eigens in Querrillen eingeschobenen Schotten geschlossen. Man ist auf diese Weise der Gefahr begegnet, dass die grossen Hirnflächen an den Bootsenden reißen. Das nächste Ausbaustadium zeigen zwei riesengroße Lasteinbäume von 11 m Länge und bis zu 1,70 m größter Breite der vorrömischen Eisenzeit aus Antwerpen in Belgien. Trotz der gewaltigen Ausmaße sind beide Einbäume rinnenförmig ausgebildet; die Enden sind aber nicht mehr mit Schotten in Querrillen geschlossen, sondern mit spiegelartigen Brettern, die vor das Hirnholz der Rinne genagelt waren
(Abb. 4). Spanten waren in großer Zahl eingebaut, was bei einem Einbaum eigentlich überflüssig war, so dass ihr Zweck nicht recht einleuchtet. Entscheidend für die weitere Entwicklung war der trapezförmige Grundriss des Bootes, der sich aus dem kegelförmigen Wachstum eines Baumes von selbst ergibt, wenn man das dünnere Ende (= Kronenende) des Stammes als Vorderteil und das dickere Wurzelende als Achterteil des Bootes wählt. Wenn man einen solchen, im Querschnitt halbrunden Einbaum der Länge nach halbiert, zwei Bodenplanken mit Hilfe von dicken Spanten dazwischen einfügte und die Enden wiederum mit einem vorgenagelten Achterspiegel und - in diesem Fall - schräg gestellten Vorderspiegel (Abb. 5), einer sog. "Kaffe", schloss, erhielt man das kleine Oberländer-Schiff, das vor einigen Jahren bei Krefeld ausgegraben und ins 13./ 14. Jahrh. n. Chr. datiert werden konnte. (durch eine C 14 Untersuchung, ist zwischenzeitlich eine Korrektur der Altersbestimmung ins 11. Jahrh. n. Chr. erfolgt). Er soll nach Konservierung im Original (L. 5,90 m, gr. Br. ca. 2 m) im Deutschen Schiffahrtsmuseum aufgestellt werden. Die geringe Größe und die Netzrolle am verlängerten Achterspant weisen das Boot als Fischereifahrzeug aus. Das das bisher einzige originale Oberländer-Schiff dem Mittelalter angehört, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesamte Technologie dieses Bootsbaus bereits in der vorrömischen Eisenzeit bekannt war.

 


 




 Die Konservierung des

 Oberländer Schiffs


ie Konservierung der Mittelalter-Flotte. Alle Maßnahmen, Trocknungsschäden an einem nassen Bootsfund zu verhindern, nennen wir "Konservierung". Das Holz eines archäologischen Bootsfundes ist meist stark verändert, verglichen mit frischem Holz. Das Holz ist "abgebaut".

Es ist ein wassergefülltes poröses Material mit verringerter Festigkeit. Wenn es trocknet, dann schrumpft, reißt und verwirft es sich, manchmal bis zum völligen Auseinanderfallen. 

Um dies bei unseren einmaligen Funden zu verhindern, haben wir bisher folgende Konservierungs-methoden angewendet:


2-Stufen-Tränkung mit zwei PEG-Qualitäten.
Besteht das nasse Holz aus stark und aus wenig abgebauten Partien - und dies ist das Übliche -, so erreicht man die beste Stabilisierung durch eine Tränkung erst mit niedermolekularem PEG und danach mit hochmolekularem PEG.
In einem ersten Bad wandert PEG mit kleinen Molekülen tief in das Holz hinein, auch in die nur wenig veränderten Bereiche.

In einem zweiten Bad füllt PEG mit großen Molekülen die weichen, aufgelockerten äußeren Bereiche des Holzes und festigt sie. So wird das ganze Holz stabilisiert.

Dieses Verfahren haben wir speziell für die Konservierung der Bremer Kogge entwickelt. Als erstes Schiff konservierten wir den Oberländer vom Rhein auf diese Weise, danach den Karl von Bremen.

 

Abb. 1
Bergung des Oberländers 1973 im Hafen von Gellep
 

Abb. 2
Der Oberländer im Innenhof des Museum Burg Linn
 

Abb. 3
Der Oberländer wird wieder zusammengebaut
 

Abb. 4
Der Oberländer zeigt sich den Besuchern des Deutschen Schiffahrtsmuseum
 

Abb. 5
Modell des Oberländers im Museum Burg Linn. Vermutlich als Fischerboot genutzt. Datiert mit C 14 Methode ins 11. Jahrh. n. Chr.
 


 Fund und Bergung

Das Oberländer Schiff vom Rhein um 1000 n. Chr.


n der Böschung einer Kiesgrube bei Krefeld tauchte im Januar 1973 ein Schiff auf. Es rutschte mit der Böschung ab, löste sich in seine Einzelteile auf und versank im Wasser. Taucher der Bundeswehr befestigten Trossen an den Hölzern, und mit Hilfe eines Lasters zogen und zerrten sie die schweren Einzelteile an Land. Die Kiesgrube war früher ein Altarm des Rheins.

Der Schiffsarchäologe des Deutschen Schiffahrtsmuseums und sein Bootsbauer stellten die geborgenen Hölzer provisorisch zusammen und bekamen einen ersten Eindruck von der Form des Schiffes: Es war ein kleines Oberländer-Schiff. Die wassergesättigten Schiffshölzer erhielten im Deutschen Schiffahrtsmuseum eine Zwei-Stufen PEG-Behandlung, die sie vor  Schrumpfen, Verwerfen und Rissbildung schützt.

Die Tränkung der Hölzer mit zwei Sorten des Kunstwachses PEG dauerte fünf Jahre. Dann begann der Aufbau des Schiffes. Unserem Oberländer Schiff fehlen größere Stücke aus der Backbord-Seitenschale und aus der Bugplatte. Das Heckschott fehlt, ebenso die Seitenstützen – bis auf eine. Ihre Form verrät durch ihr oberes Ende, dass auf den Seitenschalen jeweils ein Setzbord - eine senkrechte Planke - befestigt war. Bei genauem Nachsehen finden Sie in den Oberkanten der Seitenschalen auch noch verschiedene abgeschliffene Dübel. Die Dübellöcher in den Enden der Seitenschalen und der Bodenplanken zeigen eindeutig das  Heck des Schiffes an: Hier war das Heckschott angedübelt. Wir halten die Schiffshölzer mit eisernen Spanten in ihrer ursprünglichen Form. Die Winkelleisten deuten an, wie wir den Verlauf des Setzbordes, den Abschluss der Bugplatte und die Form und Dicke des Heckschotts vermuten. Fast alle Schiffshölzer waren angebrochen oder zerbrochen, als man sie fand. Wir verbanden die Bruchstücke mit hölzernen Dübeln, einige von ihnen 30 und 40 cm lang. Verkeilte Holzdübel in den ursprünglichen Löchern halten auch die Bodenwrangen und die Seitenstütze an ihren Plätzen.

Die schweren Seitenschalen hatten sich während der Jahre in der heißen Konservierungslösung verzogen. Wir mussten sie für den Aufbau des Oberländer-Schiffs wieder in ihre ursprüngliche Form bringen. Wir erwärmten die kritischen Partien mit Wicklungen aus Heizkabeln auf 60-80 °C, bis das PEG- Getränkte Holz weich wurde. Dann konnten wir die Seitenschalen mit zum Teil erheblicher Kraft zurechtbiegen. Nach dem Erkalten und erneuten Erstarren des Konservierungsmittels im Holz bleibt die "neue" alte Form erhalten.

Die Konstruktion unseres Oberländer Schiffs
"Das Oberländer-Schiff"
ist der Name eines mittelalterlichen Schiffstyps vom Rhein. "Oberländer" hießen diese Schiffe, weil sie von den Oberländern am Mittelrhein - im Gegensatz zu den Niederländern am Niederrhein - gebaut und benutzt wurden.

Unseren kleines Oberländer-Schiff baute man wie folgt:
Man höhlte eine sehr dicke Eiche zu einem Einbaum mit offenem Heck aus siehe Skizze. Dann sägte man den Einbaum der Länge nach in zwei gleiche Hälften und fügte zwei Bodenplanken und eine schräg nach vorn geneigte Bugplatte zwischen die Hälften.

Auf die Seitenschalen dübelte man oben eine Planke - ein Setzbord - um das Fassungsvermögen des Schiffes zu vergrößern. Querliegende Bodenwrangen hielten die Teile zusammen, Spanten stützten Seitenschalen und Setzbord.

Ein Schott aus mehreren Brettern schloss das Schiff achtern. Beide Seitenschalen weisen den gleichen spiraligen Faserverlauf auf, einen sogenannten Drehwuchs. Die nahe liegende Vermutung, dass beide Schalen aus demselben Stamm gearbeitet sind, bestätigte sich bei einem Vergleich der Jahrringmuster, der Abfolge von breiteren und schmaleren Jahrringen.


 

 

Fortbewegung
In unserem Oberländer gibt es keine direkten Hinweise auf die Art, wie er bewegt wurde. Wir können aber unsere Schlüsse ziehen:

  • Im Schiff gibt es keine Mastspur oder eine andere Konstruktion, die auf einen Mast für ein Segel oder zum Befestigen einer Treidelleine hinweist.
     
  • Staken ist schwierig in einem Boot mit Seiten, die sich unterhalb der Reling auswölben.
     
  • Da das Setzbord fehlt, haben wir auch keinen Hinweis auf Dollen für Riemen zum Rudern.
    Rudern im Stehen scheint bei der Höhe der Reling am ehesten möglich zu sein. Dabei können die Ruderer entweder mit dem Rücken zur Fahrtrichtung stehen - wie auf dem großen Oberländer-Schiffen in einem Bild von Anton Woensam von 1531 - oder sie können mit dem Blick nach vorn die Riemen stoßen - wie ein Gondoliere. Dieses ist eine in vielen Teilen der Welt verbreitete Technik.

Ladefähigkeit
40 Fässer Salzheringe oder 1200 große Ziegelsteine oder 10 Kühe konnte unser Oberländer tragen - falls man die alle an Bord bekommen hätte. Das Boot hatte eine Tragfähigkeit von gut 4 Tonnen. Seine Verdrängung - sein Eigengewicht - betrug 1,5 Tonnen bei einem Tiefgang von nur etwa 25 cm. Voll beladen hatte das Oberländer-Schiff 70 cm Tiefgang und einen Freibord von 30 cm.

Das Alter unseres Oberländer-Schiffes
Eine Datierung mit Hilfe der dendrochronologischen Altersbestimmung - der Jahrring-Datierung - ist nicht gelungen, weil die Schiffshölzer nicht genügend Jahrringe haben. Das ist bedauerlich, denn die Ergebnisse der dendrochronologischen Methode sind viel genauer als die der C-14 Methode. Nach der C-14 Methode sind die äußersten Teile der Seitenschalen - das jüngste Holz - 1040 plus/minus 30 Jahre alt.

Die Messung erfolgte im Jahr 2000. Dieses Holz wuchs also zwischen 930 und 990 n. Chr. Rechnen wir ca. 10 Jahrringe für abgebeiltes Splintholz und vielleicht 10 Jahrringe, die beim Zurichten des Stammes verloren gingen, hinzu, dann wurde die Eiche zwischen 950 und 1010 n. Chr. gefällt.

Einen Einbaum arbeitet man gleich nach dem Fällen aus dem saftfrischen Stamm, dann beißen Axt, Dechsel und Stecheisen viel besser als in trockenem Holz. Der Oberländer ist also wohl noch im Fälljahr des Baumes gebaut worden.
 


Für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Texte und Fotos, bedankt sich der Verf. bei Prof. Dr. Detlef Ellmers.

 

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