Im Hintergrund eine Fundkarte von Albert Steeger

Die Sonne, lebensspendende Kraft der Erde... 

Der Mond, auch er hat eine große Bedeutung für den Menschen...

Herzlich willkommen auf den WorldWideWeb-Seiten der Archäologie in Krefeld . . . . . . . . . . Hier vermitteln wir Spannendes und Wissenswertes über Archäologie im Internet . . . . . . . . . . Jetzt neu auf unseren Seiten das virtuelle Museum Burg Linn . . . . . . . . . . Und Neuigkeiten von archäologischen Ausgrabungen des Museums Burg Linn im Stadtgebiet von Krefeld . . . . . . . . . . Wußten Sie schon, dass es in Krefeld-Elfrath einen rekonstruierten römischen Tempel gibt ? ? ? ? ?. . . . . . . . . . Oder dass es in Krefeld-Gellep das größte zusammenhängende und modern ausgegrabene römisch-fränkische Gräberfeld nördlich der Alpen gibt ?. . . . . . . . . . Wenn nicht, dann schauen Sie sich unsere Webseiten der Bodendenkmalpflege an.


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Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
 

Archäologie im Rheinland

2005

  •  STADT KREFELD

Ausgrabungen an der spätmittelalterlichen Wasserburg Hüls

von
Patrik Jülich und Christoph Reichmann

ei Sanierungsarbeiten an der Ruine der kurz nach 1455 errichteten Burg der Herren von Hüls (Krefeld-Hüls) konnten drei Sondierschnitte angelegt werden Sie lieferten wertvolle Ergänzungen zur Baugeschichte. So zeigte sich, dass ein 1955 rekonstruiertes zweites Tor in Wirklichkeit den Standort eines abgegangenen Mauerturms kennzeichnet. Auch ließ sich nachweisen, dass der in einem Inventar aus dem Jahre 1565 beschriebene Saalbau nicht zum Erstbestand gehörte, sondern erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts eingefügt wurde. Vor allem ergab sich, dass die Burg ursprünglich als reine Wasserburg ohne eine den äußeren Mauerfuß schützende Berme (Erdanschüttung) konzipiert worden war. Bald eintretende Bauschäden führten jedoch stellenweise schon am Ende des 15. Jahrhunderts zur Anlage von Lehmsicherungen und wenig später dann auch zu Anfüllungen von Abfallmaterial. Den umfangreichsten Eintrag in den ehemaligen inneren Burggrabenbereich verdanken wir jedoch offenbar größeren Zerstörungen und anschließenden Reparaturarbeiten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Vermutlich besteht hier ein Zusammenhang mit der historisch bezeugten Belagerung von Hüls im Jahre 1583. Trotz der Renovierungen war die Glanzzeit der Burg am Ende des 16. Jahrhunderts vorüber, zumal sie nach einer starken Zerstückelung des Besitzes durch Erbteilung (1565) nur noch von unterschiedlichen Verwaltern bewohnt wurde.

Um 1700 scheint sie endgültig verfallen zu sein. Von der letzten Nutzungszeit der Burg zeugen nur wenige Funde aus den drei Sondierschnitten. Trotz der begrenzten Schnittflächen erlauben die Funde einen Einblick in die Sachkultur einer kleinherrschaftlichen Wasserburg während des 15. und 16.Jahrhunderts. Sie spiegeln den Alltag und die Frömmigkeit der Burgbewohner wieder. Umfangreich waren vor allem die geborgenen Keramikinventare. Neben Grauwaren des 15.Jahrhunderts fanden sich viele Fragmente der neuen glasierten und oxidierend gebrannten Irdenware. Weiterhin sind teilweise reich verzierte Steinzeuggeschirre aus Frechen, Raeren und Siegburg belegt. Ergänzt werden diese durch Gläser mit gestochenem Boden, Kreuzrippen oder Nuppenauflagen des 15. Jahrhunderts. Maasländische Keramik und niederländische S-förmige Dachpfannen, die stratigraphisch in das 16. Jahrhundert zu datieren sind, verweisen auf einen engen Kontakt der Hülser Burgherren in die benachbarten Niederlande. Dies findet seinen besonderen Ausdruck in einer fragmentierten flachen Majolikaschüssel (Abb. 1). Der durch ein gereihtes Blütenmotiv gefasste Spiegel zeigt ein gegenständig angelegtes christliches Kreuz, daneben eine gotische Minuskel „i“, die zu „ihs“ ergänzt werden kann. Die in Flandern oder den nördlichen Niederlanden hergestellte Schüssel mit frommer Gestaltung datiert in die Mitte des 16. Jahrhunderts und ist somit ein sehr früher Nachweis dieser Ware am Niederrhein. Eindeutiger noch als die Schüssel spiegelt sich die Frömmigkeit der Burgbesatzung in einem Relieffragment aus Pfeifenton (Abb. 2). Es zeigt ein fein ausgearbeitetes Gesicht, dessen Gesichtszüge und die Haartracht an den Bestandteil einer spätgotischen Verkündigungsszene des 14.- 15. Jahrhunderts denken lassen. Bestätigung findet diese Einordnung durch zwei Funde der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus einer Privatsammlung, die im nördlichen Burgbereich geborgen worden sein sollen. Sie gelangten vermutlich mit dem Abraum einer ersten Burgsanierung im Jahr 1952 in den nördlichen Burggraben. Es handelt sich um zwei Pfeifentonfiguren - ein vollplastischer Jesusknabe und eine halbplastische Darstellung einer stillenden Muttergottes -‚ die im Stil dem niederrheinisch-niederländischen, teilweise auch dem mittelrheinischen Raum zuzuordnen sind, aber auch Einflüsse süddeutscher Vorlagen zeigen. Man kann sie sich auf kleinen Hausaltärchen, Borden oder Kaminsimsen ausgestellt vorstellen. Ein weiterer Fund frommen Inhalts ist ein Pilgerzeichen aus legiertem Blei unsicherer Heiligenzuordnung aus der zweiten Hälfte des 15. bis ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

An weiteren Funden aus Metall fanden sich ein in gotischer Manier verzierter Eisenbeschlag einer Truhe, ein mit gereihtem Blattdekor und pilasterartigen Absätzen verzierter Zinnlöffel (Abb. 3), der am Stielende einen januskopfförmigen Abschluss zeigt und in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert, sowie ein Speisemesser aus Eisen mit hölzernen Griffeinlagen und eine Messingabdeckplatte, die alle einem Inventarverzeichnis aus dem Jahr 1565 zugeordnet werden können. Funde, die in Bezug zu Bau und Instandhaltung der Burg stehen, sind Werkzeuge eines Zimmermanns sowie drei Fragmente von Lederschuhen - zwei Sohlen und ein Oberleder -‚ die dem Bauhorizont kurz nach 1455 entstammen. Es handelt sich um Teile eines halbhohen Schuhtyps mit leicht abgerundeten Spitzen und Lederknopfverschluss. Vergleichbare Schuhe fanden sich u. a. in spätmittelalterlichen Schuhmacherabfällen aus dem Krefelder Stadtteil Linn. Auffallend ist die geringe Größe eines der Schuhe, der wahrscheinlich einem älteren Kind oder einer Frau zuzuordnen ist.


Literatur:

  • Julich, P, : Pilgerzeichen und Motivschüssel - Zwei Realien spätmittelalterlicher Volksfrömmigkeit aus der Hülser Burg. Hülser Heimatbl. 52, 2005, 133 – 140.

  • Reichmann, Ch. : Ausgrabungen an der Burgruine in Hüls. Die Heimat 76, 2005, 73- 83.

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