| |
LANDSCHAFTSVERBAND RHEINLAND
Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege

Archäologie im Rheinland
2004
Archäologische Untersuchungen auf der Ruhrgastrasse in Krefeld-Gartenstadt
von Uwe Schoenfelder und Peter Ziegeler
Im Juni und Juli führte die Firma Archbau eine archäologische Baubeobachtung im Bereich der Gastrasse Krefeld- Elfrath/-Gartenstadt durch. Das Untersuchungsgebiet befindet sich auf der Niederrheinterrasse des Rheins und wurde vor Baubeginn intensiv landwirtschaftlich genutzt und durch Tiefpflügen beackert. Die Gasleitungstrasse verlief im Wesentlichen parallel zur Kreisstraße 7 und kreuzte die Bundesstraße 509. Drei moderne Feldwege kreuzten das Bauareal. Ältere topographische Karten lieferten jedoch Hinweise, dass hier mit den Relikten weiterer Wege bzw. Straßen zu rechnen war. Eine dieser Wegeführungen verläuft parallel zur Kreisstraße 7, biegt nördlich der Bundesstraße nach Nordosten ab und endet an der mittelalterlichen Motte Haus
Rath. Außerdem musste im gesamten Trassenbereich mit römischen und mittelalterlichen Siedlungsspuren gerechnet werden. Nördlich der Bundesstraße 509 wurden bereits im Jahre 1988 Reste einer römischen Tempelanlage ergraben, des Weiteren Reste eine Brandgräberfeldes ebenfalls römischer Zeitstellung.
Fast im gesamten Trassenbereich wurde ca. 0,30 m unter der Humusoberkante vermischtes Sedimenrationsmaterial der Niederrheinterrasse angetroffen. Stellenweise fanden sich auch moderne Auftragsschichten von 0,30—0,60 m Mächtigkeit mit zahlreichen Ziegelbruchstücken und Keramik unterschiedlicher Zeitstellung. Der Sedimentationshorizont bestand aus sandig-lehmigem, stellenweise schluffigem, bräunlichem bis rotbraunem Material, das durch Wühltiere und vermutlich auch durch ältere Beackerung vermischt war und eine Mächtigkeit von 0,20—0,60 m aufwies. Die Profile des Rohrgrabens ließen an mehreren Stellen bachlaufähnliche Vertiefungen erkennen. Hier waren stellenweise Holzkohlepartikel umliegender Siedlungsbereiche in die Ablagerungen eingeschwemmt. Im südlichen Trassenabschnitt konnten südlich der Bundesstraße 509 Reste eines älteren
Weges (Abb. 1) freigelegt werden. Die im Planum erfassten Spuren erreichten insgesamt eine Länge von ca. 130 m und eine Breite von 4,00-5,00 m. Sie decken sich im Wesentlichen mit dem in der preußischen Uraufnahme verzeichneten Wegeverlaufs. Aus der freigelegten Wegeführung liegen keine keramischen Funde vor, die eine genauere Datierung ermöglichen würden. Jedoch fanden sich einige Eisennägel von Radbeschlägen, die vermutlich auf eine vormoderne Entstehung hindeuten.
Nach dem bei mehreren Profilaufnahmen nachgewiesenen mächtigen Schichtenaufbau des Weges lässt sich darauf schließen, dass der Weg bereits im Mittelalter angelegt wurde. Die Wegespuren bestehen aus hartem, geschichtetem, sandigem, leicht lehmigem, stellenweise kiesigem, gelblich bis graubraunem Material.
Im Querprofil waren deutlich die Verfüllungen von zahlreichen neben- und untereinander liegenden Fahrspuren durch länglich-ovale Verfärbungen nachweisbar (Abb. 1). Beim
Anlegen des Rohrgrabens wurden die Wegespuren vollständig in Längsrichtung geschnitten (Abb. 2). Dieses Profil zeigte sehr deutlich, dass es sich um einen mehrphasigen Wegeverlauf handelte. Stellenweise ließen sich bis zu vier Schichten abgrenzen, die eine Mächtigkeit von bis zu 0,58 m erreichten.
Der nördliche Trassenabschnitt war nahezu befundleer mit Ausnahme einiger Pfostenstellungen unbestimmten Alters, die vermutlich zu den Resten einer alten Weidezaunanlage gehören dürften. In diesem Abschnitt wurden keine Wegespuren mehr lokalisiert, was wahrscheinlich wie erwähnt durch den intensiven Ackerbau zu begründen ist.
Der dokumentierte Wegeverlauf kann nach dem landesgeschichtlichen Forschungsstand der umliegen Gebiete mit einiger Wahrscheinlichkeit als ein Abschnitt der sog. Hohen Straße angesprochen werden, die im Mittelalter eine wichtige Rolle als Fernhandelsverbindung spielte.
Literatur:
Horn, H. G. (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen (Stuttgart 1987)
Reichmann, Christoph: Ein neues Heiligtum in Krefeld-Elfrath. Arch. Reinland 1988 (Köln/Bonn 1989) 72 - 77. - DERs., · Haus Rath im Mittelalter. Die Heimat, Krefelder Jahrb. 63, 1992, 36 - 51.
zurück zu
News
|
|